Mit welcher Rechtsform gründen Sie? Mit einer vom Brexit bedrohten englischen Ltd.?

Hier schreibt Lutz Bernard

Volljurist aus Berlin, Buchautor & Fachexperte

GASTAUTOR

Vor der Einführung der deutschen Unternehmergesellschaft, UG haben viele Gründer eine kleine englische GmbH, also eine sogenannte "Limited" also Ltd. gegründet.Wo lag der Grund für den damaligen relativen Boom dieser ausserdeutschen Rechtsform, lassen Sie uns doch einmal kurz Vor- und Nachteile betrachten:

 

  • Sie haben keine Gründungskosten wie bei notariellen Gründungen,
  • der Firmenname kann frei gewählt werden und muss nur das Wort "Limited" aufweisen,
  • Sie benötigen kein hohes Stammkapital wie eine GmbH, also mindestens 12.500 €, dieses kann also frei gewählt werden.
  • Hier haftet nicht der Gründer persönlich,sondern nur das Stammkapital.

Besonderheit: Bei dieser Rechtsform gilt nur das englische Ltd.-Recht und soweit Sie auch mit der Ltd. Ihre Geschäfts auch in Deutschland abschliessen zusätzlich das deutsche Recht, das kann zu Komplikationen und Rechtskollisionen führen.Welche Nachteile sind bei dieser Rechtsform festzustellen?

  • Viele wählen diese Rechtsform wegen der möglichen Anonymität des wirtschaftlich Berechtigten als Gründer: Will er weder als Gesellschafternoch handelnder Vertreter auftreten, benötigt er eine Person als Vertreter, also einen Direktor:
  • Dieser kennt dann die getätigten Geschäfte der Ltd. und wird die Position nicht unentgeltlich ausführen, benötigt also eine Vergütung.
  • Wenn Sie grössere Umsätze mit der Ltd. erzielen benötigen Sie jedes Jahr erneut eine Bilanz, eine Gewinn- und Verlustrechnung, einen BerichtIhres Direktoren plus ein Testat eines sogenannten Abschlussprüfers und zwar in Englisch.
  • Um diese Papiere dann auch zu verstehen und zu kontrollieren benötigen Sie im Zwiefel dann auch noch einen weitere Kosten verursachendenDolmetscher für sich.
  • Aus genau diesen Gründen werden Sie mit einer Ltd. auch bei Banken sowohl bei Kontogründungen als auch Kreditgesprächen stets auf eine"große Zurückhaltung" bis zu einer offenen Ablehnung treffen.

Bei dieser englischen Rechtsform droht dann natürlich auch das sicher bisher nur theoretische Risiko eines Brexit-Vollzuges, der ja bereits in Brüssel mit der EU verhandelt wird. Dies könnte insbesondere bedeuten, das die bisher gewährleistete Niederlassungsfreiheit der Ltd. für Europa entfiele. Konsequenzen könnten dann sein:"... Entfiele die EU-Niederlassungsfreiheit, wäre die Sitztheorie wieder anwendbar; mit einem Verwaltungssitz in Deutschland gäbe es keine Anerkennung mehr als ausländische Gesellschaft in der Rechtsform der Limited. Rechtsfolge wäre die Umqualifizierung in eine deutsche Rechtsform, allerdings nur als Personengesellschaft. Den betroffenen Gesellschaften droht damit im schlimmsten Fall wenigstens nicht die Gefahr der sofortigen Hinrichtung. Aber der Verlust der Haftungsbeschränkung steht ebenso im Raum wie der der Börsenzulassung bei der PLC ..."

https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/brexit-bedrohung-limited-plc-deutschland-rechtsform-niederlassungsfreiheit/Unser dringender Tipp ist daher hier aktuell:Gründen Sie lieber eine UG, denn keine der hier aufgezeigten erheblichen Nachteile ist dann für Sie relevant und Sie nutzen dann besser die Vorteile der sicheren Haftungsbeschränkung der UG, die ohnehin auch bei den Banken stets besser angesehen ist.

Lutz Bernard, Ass. jur.Gastautor

über den Autor
Autor: Lutz BernardE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Über mich
Artikel-Auswahl

  • Gelesen: 1820

Um diese Webseite optimal gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir sogenannte Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.